Hauptmenü
Europäischer Laubfrosch
Wechseln zu: Navigation, Suche
Europäischer Laubfrosch
Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea)
Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea)
Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Familie: Laubfrösche i.w.S. (Hylidae)
Unterfamilie: Hylinae
Gattung: Laubfrösche (Hyla)
Art: Europäischer Laubfrosch
Wissenschaftlicher Name
Hyla arborea
(Linnaeus, 1758)
Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) ist ein Froschlurch, der zur Familie der Laubfrösche im weiteren Sinne (Hylidae) und zur Gattung der Laubfrösche (Hyla) gehört. Er ist der einzige mitteleuropäische Vertreter einer nahezu weltweit (allerdings schwerpunktmäßig neuweltlich) verbreiteten Tierfamilie, die mit über 800 Arten zu den formenreichsten innerhalb der Amphibien zählt. Für das Jahr 2008 wurde der Europäische Laubfrosch von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum Lurch des Jahres gewählt.[1]
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]
1 Merkmale und Lebensweise
1.1 Morphologie
1.2 Haut, Färbung
1.3 Klettervermögen
1.4 Stimme, Balz
1.5 Laich
1.6 Larven
1.7 Ernährung
1.8 Vergesellschaftung
2 Verbreitung
3 Lebensräume
3.1 Aquatische Teillebensräume -
3.2 Terrestrische Teillebensräume -
3.3 Überwinterung
4 Fressfeinde
5 Parasiten
6 Gefährdung und Schutz
6.1 Gefährdungsursachen
6.2 Schutzmaßnahmen sowie Wiederansiedlung
6.3 Schutzstatus und Rote-
7 Synonyme
8 Verwandte Arten
9 Quellen
9.1 Literatur
9.2 Einzelnachweise
9.3 Weblinks
Merkmale und Lebensweise [Bearbeiten]
Morphologie [Bearbeiten]
Laubfrosch, auf Rohrkolben sitzend
Die Kopf-
Haut, Färbung [Bearbeiten]
Die Hautoberfläche ist glatt und kann – insbesondere beim Sonnenbaden – auffällig glänzen. Die Oberseite ist normalerweise leuchtend grün gefärbt. Der Bauch sowie die Innenflächen der Extremitäten sind vorwiegend weiß bis hellgrau und gekörnelt. Beiderseits an den Flanken zieht sich vom Nasenloch über das Trommelfell ein dunkler Streifen bis hinunter zur Hüfte. Dort wölbt er sich nach oben und formt eine sogenannte Hüftschlinge. Speziell im Bereich dieser Hüftschlinge verläuft der Flankenstreifen bei jedem Individuum etwas anders. Die hellgrüne Hautfarbe entsteht durch Absorption langwelligen Lichts durch dunkle Hautpigmente, z. B. von Melanophoren (Melanocyten). Kurzwelliges Licht dagegen wird von gelben Hautpigmenten (Xanthophoren) als blaues Interferenzlicht reflektiert, das unter Mitwirkung von Lipophoren als kräftiges Grün in Erscheinung tritt. Das gelegentliche Auftreten blau gefärbter Laubfrösche beruht nachweislich auf einem Mangel an gelben Hautpigmenten und stellt damit eine Pigmentstörung in der Haut dar. Berichte über albinotische Exemplare von Hyla arborea sind äußerst selten und beziehen sich meist auf Kaulquappen oder auch auf frisch umgewandelte Juvenile. Ein solches, vollkommen gelb gefärbtes Jungtier wurde im Sommer 2007 in Holtum (Geest) im Landkreis Verden dokumentiert.[2]
Hyla arborea mit momentan fleckiger Färbung
Laubfrösche können in rascher Abfolge ein recht verschiedenfarbiges Aussehen annehmen. Die Variationsbreite reicht von hellgrau über gelblich bis dunkelgrün. Oft liest man in diesem Zusammenhang, dass der Frosch seine Hautfarbe der Farbe des Untergrundes anpasst, auf dem er sich gerade befindet. Dem widerspricht ein Experiment des Physiologen Biedermann, bei dem hellgrün gefärbte Hyliden nach operativer Entfernung der Augen keine dunkle Farbe angenommen haben. Vielmehr haben Tastreize, die von der Unterlage ausgehen, eine wesentliche Bedeutung auf die Hautfarbe des Tieres. Bringt man hellgrüne Laubfrösche in ein Behältnis, dessen Boden und Wände mit Filz oder mit Drahtgaze überzogen sind, werden die Tiere rasch dunkel. Auf glatten Strukturen, wie zum Beispiel Glas, bleiben sie dagegen hellgrün. Diese Reaktionen sind unabhängig von Farbe und Helligkeit. In der Natur bleibt ein Laubfrosch auf einem glatten Blatt grün, auf rauer Baumrinde wird er aber mitunter braun oder grau. Eine gewisse Rolle bei der Ausfärbung kommt der Umgebungstemperatur zu. So gilt grundsätzlich, dass mit höherer Außentemperatur die Haut umso heller erscheint.
Schleimdrüsen im Lichtmikroskop (Näheres in der Bildbeschreibung)
Die Haut von Hyla arborea ist außerordentlich reich an Drüsen. Generell unterscheidet man bei adulten Amphibien zwischen zwei Arten von Hautdrüsen: Schleim-
Klettervermögen [Bearbeiten]
Feinaufbau einer Haftscheibe – REM-
An einer Glasscheibe haftend
Laubfrösche verfügen über ein hervorragendes Haft-
Stimme, Balz [Bearbeiten]
Mit Beginn warmer April-
Bei Nacht zwischen Flutrasenvegetation rufendes Männchen mit Kehl-
Steht man als Beobachter direkt am Gewässerufer, kann der Geräuschpegel einer größeren Rufgruppe auf die Dauer ein geradezu gehörschädigendes Niveau erreichen. So wurden in 50 Zentimetern Entfernung zu einem rufenden Exemplar Lautstärken bis zu 87 Dezibel gemessen. Noch aus über zwei Kilometern Entfernung sind die Konzerte in ruhigen und windarmen Nächten wahrnehmbar. Sehr individuenreiche Laichgesellschaften mit über hundert oder sogar mehreren hundert balzenden Tieren sind in vielen Regionen Deutschlands und Mitteleuropas allerdings gar nicht mehr vorhanden -
Außer den Balzrufen in Spätfrühlingsnächten sind im Spätsommer und im Herbst – bis zum Beginn der Winterruhe etwa Mitte/Ende Oktober – sogenannte Herbstrufe zu hören. Diese werden, anders als die Balzrufe, an sonnigen Tagen („Altweibersommer“!) aus Hecken und Gebüschen heraus geäußert und klingen eher „krächzend“ oder „knarzend“. Bei entsprechender Bestandsdichte können sich auch kurzzeitige Konzerte mehrerer Männchen ergeben. Der Sinn dieser Lautäußerungen ist unbekannt – sie könnten Ausdruck des Wohlbefindens sein.
Die nächtlichen Rufe im Frühling sind hingegen in ihrer Funktion klar zu deuten: Es sollen Weibchen angelockt werden, die aus den Winterquartieren zum Laichgewässer wandern. Nähert sich ein Weibchen einem balzenden Männchen (wobei die stimmgewaltigsten Exemplare von den Weibchen wohl bevorzugt werden), unterbricht dieses sein Gequake und versucht sogleich, den Rücken des Weibchens zu ersteigen und dieses in der Achselgegend zu umklammern (Amplexus). Dort verbleibt es, bis es Stunden oder manchmal auch erst Tage später zum Ablaichvorgang kommt. Dabei besamt das Männchen den gerade aus der Kloake des Weibchens austretenden Laich.
Laich [Bearbeiten]
Laubfrosch-
Älterer Laich mit abgeschlossener Embryonalentwicklung, kurz vor dem Schlupf
Die Eiablage findet überwiegend im April und Mai statt, früheste Beobachtungen von Laich stammen von Ende März. Die oft etwas unförmigen Laichballen, die im Wasser etwa bis zu Walnussgröße aufquellen können, werden an seichten Stellen an die Gewässervegetation wie etwa untergetauchte Halme geheftet. Die Eizahl je Ballen beträgt zwischen 30 und 80, selten auch bis zu 100. Dafür kann ein Weibchen aber mehrere Dutzend davon in einer Nacht absetzen, so dass innerhalb eines Frühjahrs insgesamt zwischen 150 und 1100 je Weibchen abgelegt werden können. Die Eier sind oberseits gelblich bis hellbraun, unterseits cremeweiß gefärbt. Der Eidurchmesser beträgt 1,5 bis 2 Millimeter, die umgebenden Gallerthüllen messen drei bis vier Millimeter.
Nach der Eiablage richten sich die Eier im Laichballen so aus, dass der gelblich-
Larven [Bearbeiten]
Laubfrosch in der Metamorphose; Haftscheiben (= H) sind schon erkennbar
Laubfrosch-
Kaulquappen des Laubfrosches in unterschiedlichen Entwicklungsstadien (Näheres in der Bildbeschreibung)
Geschlüpfte Larven sind zunächst etwa drei bis fünf Millimeter lang und von hellgelber Färbung, die mit zunehmendem Alter in ein goldüberlaufenes Olivgrün wechselt. Für die Larvalentwicklung bis zur Metamorphose benötigen sie je nach Wassertemperatur und Ernährungszustand zwischen 50 und 80 Tagen. Kurz vor der Umwandlung sind die Kaulquappen zwischen 35 und 50 Millimetern groß. Sie besitzen einen lang auslaufenden, kräftigen Ruderschwanz mit auffällig breiten Flossensäumen. Der obere Saum reicht bis zwischen die Augen -
Die Haftscheiben werden schon im letzten Stadium der Larvalphase voll funktionsfähig ausgebildet. Der Übergang zum Landleben erfolgt in Mitteleuropa überwiegend in den Monaten Juli und August. Bei günstigen Witterungsverhältnissen können bereits Mitte Juni die ersten frisch metamorphosierten Jungtiere an Land angetroffen werden. Sind die Sommermonate überwiegend kühl und verregnet kann es auch vorkommen, dass die Laubfroschlarven ihre Entwicklung im Oktober noch nicht vollzogen haben. Solche Exemplare haben dann kaum eine Überlebenschance, da die Überwinterung der Larven bei dieser Amphibienart in der Regel nicht erfolgreich ist, auch, weil die Tiere gegenüber niedrigen Temperaturen besonders empfindlich reagieren.
Ernährung [Bearbeiten]
Während der Keimentwicklung im Ei, aber auch noch im Anheftstadium nach dem Schlupf ernähren sich die Larven durch den im Körper deponierten Dottervorrat. Sobald die Kaulquappen frei schwimmen, beginnen sie mit der aktiven Nahrungssuche. Im Allgemeinen fressen sie unselektiv organisches Material, das ihnen vor die Raspelzähnchen und Hornkiefer kommt. Überwiegend sind dies mikroskopisch kleine Algen (Grünalgen, Diatomeen) sowie Einzeller und Detritus aus ihrer direkten Umgebung. Dabei werden Pflanzen, Steine und andere Oberflächen nach solchen Nahrungspartikeln abgeweidet. Ältere Larven knabbern auch an Tierkadavern, wie zum Beispiel toten Fischen und Lurchen sowie ertrunkenen Mollusken und Landinsekten. Beim Auffinden solcher Nahrungsquellen werden die Kaulquappen offensichtlich durch Geruchs-
Heranwachsende wie adulte Laubfrösche begeben sich normalerweise mit Einbruch der Dämmerung auf Nahrungssuche. Beutetiere finden sich überwiegend am Boden oder in dessen Nähe – es werden aber auch Flug-
Einige Wochen zuvor fertig umgewandelter Jungfrosch. Das Tier hat die für Laubfrösche typische Ruhehaltung eingenommen, bei der die Finger und Zehen „eingeklappt“ am Körper anliegen
Die nächtliche Aktivitätsdauer wird stark von den jeweiligen Umgebungsfaktoren wie Temperatur und Feuchte bestimmt. Gefressen werden Insekten nahezu aller vorhandenen Arten, daneben Spinnen und, in Ausnahmefällen, auch kleine Nacktschnecken. Genaue Nahrungsuntersuchungen liegen von U. Tester (1990) und H.-
Vergesellschaftung [Bearbeiten]
Begleitarten von Laubfröschen im Laichhabitat sind je nach Naturraum und Region (hier bezogen auf Deutschland) mehr oder weniger regelmäßig: Grasfrosch, Moorfrosch, Knoblauchkröte, Erdkröte, Wechselkröte, Kreuzkröte, Teichfrosch, Kammmolch, Teichmolch sowie die – allerdings seltenen – Rotbauch-
Verbreitung [Bearbeiten]
Verbreitungskarte gemäß IUCN-
Der Europäische Laubfrosch besiedelt mit mehreren Unterarten die meisten Länder Mittel -
Verbreitung in Deutschland: Die Nominatform des Europäischen Laubfrosches kommt (bzw. kam) in allen Bundesländern vor und besiedelt bevorzugt flache bis wellig geformte Bereiche der Tiefebene und des Hügellandes (planar-
Lebensräume [Bearbeiten]
Laubfroschlebensraum Rheinaue
Je nach saisonaler Aktivität beanspruchen Laubfrösche sehr unterschiedliche aquatische und terrestrische Teillebensräume. Für einen erfolgreichen und nachhaltig gesicherten Lebenszyklus sind die folgenden Biotoptypen und Strukturen relevant:
Aquatische Teillebensräume -
Fischfreie, besonnte Kleingewässer (Tümpel, Weiher, Druck-
Vegetationsreiche, amphibische Flach-
Wasser-
Terrestrische Teillebensräume -
Einjährige, die gesellig auf einem Klettenblatt sonnenbaden
Extensiv bewirtschafte Feucht-
Gehölzstreifen, Röhrichte und gewässerbegleitende Hochstaudenfluren als Sitz-
Auwälder, Feldgehölze, durchsonnte, feuchte Niederwälder, Landschilfbestände auf grundwassernahen Standorten.
Als Sitzwarten werden von erwachsenen und heranwachsenden Tieren neben Sträuchern und sogar Baumkronen vor allem verschiedene krautige Pflanzenarten gewählt. In der Literatur werden oft Brombeergebüsche erwähnt; nach eigenen Beobachtungen werden außerdem die großen Blätter von Kletten (Arctium spec.) besonders gern zum Sonnenbaden genutzt. Offen ist bei dem Beispiel allerdings, ob diese Strukturen von den Fröschen gezielt bevorzugt werden oder man sie auf den großen Blattoberflächen nur einfacher entdeckt.
Überwinterung [Bearbeiten]
Als wechselwarmes (poikilothermes) Tier benötigt der Laubfrosch grundsätzlich frostfreie, terrestrische Überwinterungsplätze wie Erdhöhlen, große Laubhaufen, Bodenlückensysteme im Wurzelbereich von Laubbäumen sowie Stein-
Fressfeinde [Bearbeiten]
Larve der Blaugrünen Mosaikjungfer
Wasserskorpion Nepa cinerea
Laubfroschlarven erreichen nur in Gewässern mit relativ geringem Feinddruck und einem ausreichenden Wasserpflanzenangebot die Metamorphose. Insbesondere Fische, auch sogenannte „Friedfische“ wie beispielsweise Karpfen, reduzieren durch das Fressen von Laich und Larven die Lurchbestände oft erheblich. Zwar können Fische und Laubfrösche durchaus gemeinsam vorkommen; solche Vergesellschaftungen sind aber auf sehr reich strukturierte Gewässer mit ausgedehnten Flachwasserzonen beschränkt. Weiterhin gelten räuberische Wasser-
Auch zahlreiche Vogelarten wie Graureiher, Weißstorch, Purpurreiher, Nachtreiher und der Rallenreiher kommen als Prädatoren in Betracht, ebenso verschiedene Rabenvögel. Hin und wieder wurden Überreste von Laubfröschen sogar in Gewöllen von Eulen nachgewiesen.
(Zu Amphibien als Fressfeinden siehe Absatz „Vergesellschaftung“.)
Parasiten [Bearbeiten]
Laubfrösche beherbergen als Larven wie auch als erwachsene Tiere eine Vielzahl von Parasiten. So finden sich in Darm und Leber der Kaulquappen die Amöben Entamoeba ranarum und Entamoeba histolytica sowie das Wimpertierchen Opalina ranarum. Die pathogenen Wirkungsweisen von E. histolytica (Erreger der Amöbenruhr) sind im Gegensatz zum Menschen im Amphibienorganismus nahezu unschädlich. Die Infektion der Kaulquappen erfolgt über die Nahrungsaufnahme.
Äußere Organe wie Haut und Kiemen von Amphibienlarven werden unter anderem durch die Wimpertierchen Charchesium polypinum sowie Trichodina pediculus besiedelt. Eine hohe Befalldichte von Ch. polypinum kann zum Tode führen. Trichodina lebt auf der Haut von Kaulquappen und wandert gelegentlich auch in die Harnblase ihres Wirts ein. Beim gemeinsamen Auftreten von Fischen und Amphibienlarven ist hin und wieder die Karpfenlaus (Argulus foliaceus) als Hautparasit an Laubfroschlarven zu beobachten.
Nahezu alle Amphibien sind von parasitierenden Trematoden (Saugwürmer) befallen, deren adulte Stadien vielfach in Atmungs-
Im Bereich des Darms ist Acantocephalus ranae ein typischer Vertreter, der auch bei Laubfröschen häufiger auftreten kann. Für die Verbreitung und Vermehrung dieses Parasiten sind Zwischenwirte wie Wasserasseln, Flohkrebse und Ostrakoden ("Muschelkrebse") erforderlich. Kommt es zu einem Massenbefall, durchbrechen die Parasiten die Darmwand des Wirts und dringen vielfach in die Leibeshöhle ein. Acantocephalus ranae tritt bevorzugt bei gesundheitlich geschwächten Laubfröschen auf.
Gefährdung und Schutz [Bearbeiten]
Gefährdungsursachen [Bearbeiten]
Schema eines idealisierten (virtuellen) Metapopulations-
Mit der Trockenlegung von Niedermooren und Gewässern sowie der Begradigung der meisten Bäche und Flüsse begann bereits Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts der flächenhafte Verlust an geeigneten Lebensräumen. Habitatfragmentierung durch immer mehr bauliche Maßnahmen (Straßen-
Die Verinselung ehemals vernetzter Lebensräume ist für den relativ kurzlebigen Laubfrosch besonders fatal. Zum Verständnis dieses Zusammenhangs wird in der Tierökologie das sogenannte „Metapopulations-
Schutzmaßnahmen sowie Wiederansiedlung [Bearbeiten]
Als Sympathieträger in der Bevölkerung und im Naturschutz gleichermaßen erfüllt der Laubfrosch wichtige Kriterien einer „Leitart“, die stellvertretend für ganze Lebensgemeinschaften mit ähnlichen Ansprüchen gefördert wird. Vordringlich für den Schutz ist der Erhalt der bestehenden Fortpflanzungsgewässer. Laubfrösche können aber auch durch Neuanlage von Kleingewässern in der Feldflur sowie in Kies-
Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass mehrere nah beieinanderliegende kleinere Laichgewässer der Bestandsförderung dienlicher sind als ein einzelnes großes, womöglich ziemlich tiefes Gewässer. Um gute Laichbedingungen für kopfstarke Subpopulationen zu ermöglichen, sollten diese Gewässer aber doch jeweils eine Mindestgröße von 100 m² aufweisen und über ausgedehnte Flach-
Sicherung von Kleingewässern
Rückschnitt von Gehölzen am Ufer der Laichgewässer (zur Vermeidung der Beschattung)
Wahrung/Förderung eines Biotopverbundsystems (linienartige Saumstrukturen wie Strauchhecken und Baumreihen)
Pflegekonzept zum Erhalt von Feucht-
Überdecktes Niedermoor mit extensiv genutzter Wiesenfläche und Gebüsch – Sommerlebensraum für Laubfrösche
Beispielsweise neigen ungenutzte Nasswiesen häufig zur Verschilfung, vor allem bei nährstoffreichen Bodenverhältnissen. Um einen zumindest teilweise offenen Grünlandcharakter zu erhalten oder wiederherzustellen, wird zunächst ein zweimaliger Schnitt des hohen Aufwuchses pro Jahr durchgeführt. Zum Schutz juveniler, frisch metamorphosierter Laubfrösche sollte der erste Mahdtermin allerdings nicht vor Juli vorgenommen werden. Der zweite Schnitt erfolgt im Oktober. Nach deutlicher Reduzierung der Dynamik des Schilf-
Die als Beispiele genannten Pflegemaßnahmen sind aufwändig und je nach Flächengröße des zu schützenden Lebensraum auch maschinen-
Leben Laubfrösche im Bereich von gesetzlich streng geschützten Flächen (Naturschutzgebiet, Naturdenkmal, Nationalpark-
Ferner ist es von Bedeutung, dass im unmittelbaren Bereich von Laubfroschhabitaten keine chemischen Mittel (Dünger, Pestizide) zum Einsatz kommen. Befinden sich solche Flächen in Privateigentum, so ist die Bereitschaft der jeweiligen Nutzer am ehesten dadurch zu erreichen, dass finanzielle Entschädigungen für die Duldung von Pflegemaßnahmen angeboten werden (staatliche Extensivierungsprogramme, Landschaftspflegerichtlinie), Vertragsnaturschutz vereinbart wird oder ein Flächenankauf durch die öffentliche Hand bzw. Naturschutzverbände erfolgt.
Regional gibt es über die Schutzbemühungen vorhandener Vorkommen hinaus auch Versuche zur Wiederansiedlung von Laubfröschen in ehemaligen Verbreitungsgebieten. Voraussetzung für das Gelingen derartiger, nicht unproblematischer Maßnahmen ist aber immer das Bereitstellen geeigneter Habitatstrukturen (aquatisch wie terrestrisch) in entsprechender Dimension und guter räumlicher Vernetzung.
Schutzstatus und Rote-
Aufgelassene Kiesgruben können in der vom Menschen überformten Landschaft zu wichtigen Ersatzlebensräumen für Laubfrösche und andere Tierarten werden
Gesetzlicher Schutzstatus (Auswahl)[4]
Fauna-
Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): streng geschützt
Rote Liste-
Rote Liste der Bundesrepublik Deutschland: 3 – gefährdet
Rote Liste Österreichs: VU (entspricht: gefährdet)
Rote Liste der Schweiz: EN (entspricht: stark gefährdet)
Rote Liste IUCN (Weltbestand): LC (entspricht: nicht gefährdet)[7]
Synonyme [Bearbeiten]
Abwechslungsreicher Laubfrosch-
Bisherige wissenschaftliche Synonyme sind:
Rana arborea Schwenkfeld, 1605
Ranunculus viridis Gesner, 1617
Rana viridis Linnaeus, 1746 (F. S. ED. I)
Calamita arboreus Schneider, 1799
Hyla viridis Daudin, 1803
Calamitas arborea A. Risso, 1826
Hyas arborea Wagler, 1830
Raganella arborea Bonaparte, 1830
Dendrohyas arborea Tschudi, 1839
Dendrohyas viridis Fitzinger, 1843
Im deutschsprachigen Raum wird der Laubfrosch unter anderem auch als Heckenfrosch oder Grünrock oder (inzwischen selten) als Wetterfrosch bezeichnet.
Verwandte Arten [Bearbeiten]
Mit dem Europäischen Laubfrosch eng verwandt sind die folgenden Arten der Paläarktis:
Hyla heinzsteinitzi Grach, Plesser & Werner, 2007
Italienischer Laubfrosch, Hyla intermedia Boulenger, 1882
Japanischer Laubfrosch, Hyla japonica Günther, 1858
Mittelmeer-
Portugiesischer Laubfrosch, Hyla molleri Bedriaga, 1890
Tyrrhenischer Laubfrosch, Hyla sarda (De Betta, 1857)
Kleinasiatischer Laubfrosch, Hyla savignyi Audouin, 1827
Der in Italien (einschließlich Sizilien) und in der Schweiz (Tessin) vorkommende Italienische Laubfrosch (Hyla intermedia) wird erst seit kurzem als eigene Art geführt und ähnelt dem Europäischen Laubfrosch sehr. Auch der Portugiesische Laubfrosch (Hyla molleri) galt bisher als Unterrat bzw. Varietät von Hyla arborea, wird seit 2008 aufgrund von molekulargenetischen Untersuchungen von einigen Autoren aber als eigene Art postuliert.[8] Bei dem in Südfrankreich, Nordwestitalien, Spanien, Portugal und Nordwestafrika lebenden Mittelmeer-
Quellen [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
Josef Blab, Petra Brüggemann & Harald Sauer: Tiere in der Zivilisationslandschaft. Teil 2. Raumeinbindung und Biotopnutzung bei Reptilien und Amphibien im Drachenfelser Ländchen. Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie, Bonn-
Christa Clausnitzer & Hans-
Hans-
Hans-
Irenäus Eibl-
Arno Geiger (Hrsg.): Der Laubfrosch (Hyla arborea L.). Ökologie und Artenschutz. Mertensiella, Bd. 6, Rheinbach/Bonn 1995, ISBN 3-
Dieter Glandt: Der Laubfrosch – ein König sucht sein Reich. Zeitschrift für Feldherpetologie, Laurenti, Bochum 2004, Beiheft 8, ISSN 0946-
Wolf-
Wolf-
Andreas Nöllert & Christel Nöllert: Die Amphibien Europas. Kosmos Naturführer. Franckh-
Hans Schneider: Rufe und Rufverhalten des Laubfrosches Hyla arborea arborea (L.). Zeitschrift für vergleichende Physiologie, Springer, Berlin 1967, 57: 174–189, ISSN 0044-
Urs Tester: Artenschützerisch relevante Aspekte zur Ökologie des Laubfrosches (Hyla arborea). Inauguraldissertation Naturwiss. Univ. Basel, 1990.
Textpassage aus Wikipedia 